Internet – (K)ein rechtsfreier Raum

Bereits seit 2012 gibt es die Initiative „Youthspark“ von Microsoft, welche junge Menschen mithilfe digitaler Medien näher an Bereiche wie Bildung und Jobs heranführen soll. Die Frage nach dem Urheberrecht spielt dabei eine wichtige Rolle, welche in einer voll digitalisierten Welt und Zeiten des Internets jedoch immer schwieriger zu beantworten ist. Umso entscheidender ist es, die Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren: Darf ich Musik von YouTube für die private Playlist downloaden? Darf ich Bilder von Google für Projektarbeiten und Referate verwenden?
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veröffentlicht am 23.10.2014

Wichtige Fragen auf die leider auch die meisten Erwachsenen keine Antwort wissen. Aus diesem Anlass gab es einen Workshop für Lehrerinnen und Lehrer des Otto-Nagel-Gymnasiums zum Thema Urheberrecht. Ab wann werde ich auch als Lehrer zum Urheberrechtsverletzenden? Wie kann ich sowohl gesetzlich, als auch moralisch richtig handeln und meine Schüler richtig beraten?
Um den Lehrerinnen und Lehrern die Bandbreite dieses Themas transparenter zu machen, wurden im Rahmen der Veranstaltung drei Workshops angeboten. Thematisch beschäftigten sich alle mit den Aspekten des Urheberrechtes und damit verbundenen Rechte und Pflichten, welche methodisch jeweils anders vermittelt wurden:

1. Workshop- Praxis
In fünf verschiedenen Stationen konnten die Lehrerinnen und Lehrer lernen, wie man Jugendliche spielerisch an das Thema Urheberrecht heranführen kann. Dazu durfte jeder selbst kreativ werden. Egal ob mit einer Bildergeschichte, einem Sound-Rätsel oder kleinen Videos zum Thema „Ich bin ein Original“ mit der Selfie-Box: alle konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen und wurden selbst zu Urhebern.

2. Workshop- Unterrichtsideen
Wie aber schaffe ich es als Lehrer auch theoretisch das Urheberrecht zu erklären und die Komplexität dieses Themas vereinfacht zusammenzufassen? Bis wann bewege ich mich im legalen Raum und ab wann verletze ich geistiges Eigentum?
„Geistiges Eigentum beginnt bei nötiger Schöpfungshöhe.“
Aber was genau bedeutet das? Ist Abschauen erlaubt, um eigene Ideen zu entwickeln? Bedeutet kopieren, dass man den Urheber damit ehrt?
Es gibt unterschiedliche Aspekte, die bei dem Thema Urheberrecht eine Rolle spielen: die wirtschaftlichen, moralischen, schulischen und gesetzlichen. Die Frage nach dem geistigen Eigentum umfasst daher ein großes Feld mit vielen Grauzonen, die nicht bis ins Detail oder allgemein erklärbar sind. Generell gilt jedoch: Bei Verwendung nicht eigenen Materials muss der Urheber erst einmal zustimmen.

3. Workshop- Offene Diskussionsrunde
Diese Antwort war für viele unbefriedigend. Im dritten Workshop bot sich daher für die Lehrerinnen und Lehrer in einer offenen Diskussionsrunde mit Thomas Schmidt, Geschäftsführer von Helliwood, die Möglichkeit Fragen zu stellen oder Meinungen zu äußern. Die Einstiegsfrage lautete: Wer hat schon einmal eine Urheberrechtsverletzung begangen? Alle bekannten sich schuldig und argumentierten: Wie soll ich ein guter Lehrer sein wenn ich nur beschränkten Zugang zu Material habe? Eine berechtigte Frage. Es geht auch nicht in erster Linie darum, jede einzelne Handlung rechtlich komplett abzusichern. Dafür gibt es einfach zu viele Ausnahmen. Der Workshop soll vielmehr für das Thema sensibilisieren und motivieren mehr über Urheberrecht und geistiges Eigentum nachzudenken und sein Handeln dementsprechend darauf abzustellen.

Weiterhin gewährte der Tag auch einen kleinen Einblick in das Thema Cyberkriminalität. Anlässlich dazu gab es ein aufklärendes Expertengespräch mit Renate Wanke, Verantwortliche des Projektes „Originale setzen Zeichen“ und Julia Keim, Rechtsanwältin in der „Digital Crimes Unit“ bei Microsoft.

Den krönenden Abschluss bildete eine kleine Vorstellung mit Impressionen aus dem Praxis-Workshop. Einige der Ergebnisse der verschiedenen Stationen wurden dafür vorgestellt und sorgten sowohl für den einen oder anderen Lacher, aber auch für anerkennende Blicke. Anschließend gab es noch eine kleine Feedbackrunde, bei dem ein Lehrer das Fazit des Tages folgendermaßen formulierte:

„Wir haben uns von Urheberrechtsverletzenden zu sensibilisierten Urheberrechtsverletzenden entwickelt.“